Um gute Fußballspieler zu entwickeln, muss man ihnen als allererste Fußballliebe beibringen. Ohne Fußballliebe keine Fußballzukunft! Spieler, die Fußball lieben, wollen trainieren, wollen lernen, wollen spielen. Ich entwickle Spieler, die (hoffentlich) ihr Leben lang Fußball spielen möchten. Ich liebe Fußball und lebe das meinen Spielern vor. Nach der Fußballliebe kommt Zeit und Geduld. After footballlove comes time and patience. Jugendfußball ist kein Ergebnisfußball. Jugendfußball ist Lern- und Ausbildungsfußball!

Ich bin ein Trainertyp, den ich als Kind und Jugendlicher gerne gehabt hätte (und teilweise auch hatte). Peter Stöger sagte während seiner Kölner Trainerzeit: "Fußball ist ein Spiel. Ein Spiel muss Spaß machen." Das ist wahr! Egal, ob in der Bundesliga oder Kreisliga C. Wenn du keinen Spaß am Fußball hast, warum spielst du? Wenn Fußball Stress verursacht oder langweilig ist, dann hören die Spieler auf. Es ist eine altmodische Denkweise, dass Ernsthaftigkeit ≠ Spaß. Meiner Meinung nach: Je mehr Spaß, desto ernsthafter.

Im Finnischen Fußball (und nicht nur dort) gibt es derzeit ein großes „Drop-out“-Problem. Ich habe im Laufe der Jahre viele verschiedene Clubs und ihre Trainings gesehen und bin nicht überrascht. Ich sehe viel zu wenig Spaß im Training. Ich sehe kleine Kinder, die positionstaktisch geschult werden. Wahre Geschichte: Bei einem Mädchentraining stand eine 9-Jährige allein auf weiter Flur in ihrer Hälfte, während alle anderen vorm gegnerischen Tor rumwuselten. "Warum stehst du hier alleine rum?" - "Ich stehe hier, weil ich Verteidigerin bin." - "Passiert hier gerade etwas, wo wir beide stehen?" - "Nein." - "Hast du Spaß?" - "Nein." - "Ist es langweilig?" - "Ja." - "Wärst du gerne da vorne, wo die Action passiert?" - "Ja." - "Ich sage, mach es. Geh!" Und das Mädchen sprintete erfreut weg. Ich sah auch Jugendliche, die von ihren Trainern angeschrien wären, als wären sie Profispieler, die um einen Bonus spielen. In Spielen sehe ich Jugendspieler 70 von 80 Minuten auf der Bank sitzen, weil sie "nicht gut genug" sind. Na, wie sollen sie denn besser wären, wenn sie keine Spielzeit bekommen? Das einzige, was man auf der Bank lernt, ist, wie es ist, auf der Bank zu sitzen. Ein guter Bankdrücker zu sein, ist auch ein Skill. Aber besser ist es, Fußballskillz auf dem Platz zu entwickeln. Wenn du diese nicht entwickeln kannst, dann kannst du auch genausogut zuhause auf dem Sofa sitzen bleiben statt auf der Ersatzbank. Also hört man auf. Ein weiterer Drop-out. Das macht mich traurig. Doch leider passiert genau das immer und immer wieder. Und wofür? Um als Trainer mit seinen Ergebniserfolgen einer Jugendmannschaft anzugeben? Es ist doch keine Raktenwissenschaft: Je weniger deine Skillz entwickelt sind, desto mehr Spielzeit zum Lernen brauchst du. Nur so kannst du dich weiterentwickeln.

Ich habe Psychologie und Philosophie studiert. Das spiegelt sich in meinem Coaching wider. Ich möchte nicht nur gute Spieler entwickeln. Ich möchte gute Menschen entwickeln. Ethische Werte sind mir wichtig. Deshalb muss ich ein Vorbild für die Spieler sein, auf und neben dem Platz. Ich gebe mein bestes, aber bin natürlich nicht perfekt darin, zumal ich auch kein Moralapostel sein will. Ich bin da für meine Spieler, wenn sie mich brauche, egal, wie alt sie sind. Ich glaube, dass meine Spieler verstehen, dass ich ihnen 100% anbiete und dass sie das deshalb zurückgeben wollen. Für mich. Für ihr Team. Für sich selbst. Wir kreieren einen symbiothischen Effekt. Ich liebe Fußball. Du liebst Fußball. Wir lieben Fußball. Zusammen sind wir stark. So einfach ist das. Es ist eine Frage der Mentalität. Hier geht es nicht um Theorie. Du musst Fußball leben. Weil du es willst.

Ich bin fasziniert von Aristoteles' Konzept der phronesis (weise Klugheit). Zusamengefasst: Zwischen zwei Extremen, ist es immer weise/klug, das Mittel zwischen beiden Extremen zu finden. Fußball-Beispiel: Angriffspressing ist zu offensiv, Abwehrpressing ist zu defensiv. Mittelfeldpressing ist die gesunde Mischung. Ergo ist Mittelfeldpressing meine bevorzugte Pressingvariante. Darauf baut dann meine Trainingsphilosophie auf (z. B. wie kann mein Team die weiten Räume nach vorne im Gegenpressing ausnutzen?).

Fußball findet auf dem Feld statt. Trainer zu sein ist nicht nur eine Frage der Theorie. Ich denke Fußball nicht theoretisch, sondern praktisch. Ich denke an das Spiel. Wie ein Spieler. Weil Spieler das Spiel spielen, nicht Trainer. Keine Spieler, kein Spiel. Fakt! Ich habe viel Spielererfahrung und weiß, wie Spieler denken und funktionieren; was sie brauchen. Weil ich das am eigenen Leib erfahren habe in mehrere Jahrzehnten als Aktiver. Das ist etwas, was du nicht in theoretischen Kursen, Lehrgängen oder Seminaren lernen kannst. Erfahrung ist wichtig. Du musst wissen und verstehen, was auf dem Platz passiert, warum, und wie sich das auf die Spieler auswirkt. Zum Beispiel, wenn du 2:0 führst und der Gegner das 2:1 erzielt, was machst du? Holst du deine Taktiktafel raus? Nee, man. Das ist jetzt eine psychologische Sache. Wenn ich dein Spieler wäre und du gäbst mir nach einem Anschlusstor eine taktische Lektion, dann würde ich nicht zuhören. Ich, als Spieler, muss eine Lösung für die Situation finden. Und es ist die Aufgabe des Trainer, mir dafür so viele Lösungsmöglichkeiten wie möglich im Training mitzugeben. So betrachte ich meine Rolle als Trainer.

Ich schätze Sportsgeist und Fairplay. Ich unterstütze die #Spielersupport-Kampagne vom Finnischen Fußballverband und bin davon überzeugt, dass sich Toplevel-Fußball automatisch entwickelt, wenn es eine ausreichende Breitenfußball-Basis ("grassroots level") gibt. Durch Quantität zur Qualitä. Entsprechend braucht der Amateurfußball so viel Fokus und Aufmerksamkeit wie möglich. Alle Spieler, die wollen, verdienen eine Chance und deine Unterstützung. Es ist leicht nur mit Spielern zu arbeiten, die natürlch talentiert oder schon weit entwickelt sind. Die Herausforderung ist, mit Spielern zu arbeiten, die noch viel lernen müssen und einen weiten Entwicklungsweg vor sich haben. Gib keinen Spieler auf.

Der legendäre deutsche Fußballer Alfred Preißler sagte einst: "Grau is' im Leben alle Theorie - aber entscheidend is' auf'm Platz." So ist das.

Ich arbeite gerne mit erwachsenen Spielern. Da komme ich her. Es macht Spaß und ist interessant, ein Team mannschaftstaktisch zu entwickeln und Spieler zu haben, die entsprechende Anweisungen verstehen. Andererseits ist es sehr erfüllend, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und ihnen dabei zu helfen ein Fußballer zu werden. Mein persönliches Interesse hat sich in den letzten Jahren vom Männer- zum Frauenfußball verschoben. Die Entwicklung der letzten Jahre im internationalen Profifußball sehe ich kritisch. Der aktuelle Frauenfußball erinnert mich mehr an den Fußball, mit dem ich groß geworden bin und der mich mehr anspricht. Frauen spielen guten Fußball. Und darum geht es doch am Ende: guten Fußball.